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Gesundheit im Betrieb

Die Unternehmen und auch der Öffentl. Dienst stellen sich vermehrt auf eine Veränderung ihrer Beschäftigtenstruktur ein. Es ist hinlänglich bekannt, dass wir in der nächsten Zeit eine Steigerung der älteren Beschäftigten haben werden. Seit 1990 ist der Anteil der über 50-jährigen von 23 auf nun 31 % angestiegen. Im Bereich der öffentl. Verwaltung und Dienst­leistung haben wir einen Anteil Älterer von 38 %, besonders hoch in den Gesundheits­berufen. Dort verzeichneten wir eine Steigerung von 73 % der Beschäftigten ab 50 Jahre. Dies stellt Unternehmen und auch die öffentliche Dienstleistung vor neue Herausforderun­gen, denen in vielen Betrieben leider noch zu wenig Rechnung getragen wird.

Das steigende Alter in der Belegschaft führt natürlich auch zu Problemen, wie höheren Fehlzeiten, die einerseits Kosten verursachen, andererseits aber auch die jüngeren Beschäftigten mit dem Ausgleich von Fehlzeiten belasten. Ziel der betrieblichen Gesundheitsförderung als ein Mit­tel, der steigenden Altersstruktur zu begegnen, muss es deshalb sein, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Fehlzeiten bei den älteren Mitarbeitern und Überlastungen bei den jüngeren Mitarbeitern vermeiden. Das Zusammenspiel der Generationen im Berufsleben wird dadurch immer wichtiger und die Bedürfnisse der Babyboomers, Generation X und Generation Y müssen sich in den Programmen widerspiegeln. Bei einem Generationenvergleich des WIDO zwischen der Generation Y (die heute 15- bis 30-jährigen) und den Babyboomern (die heute 50- bis 65-jährigen) haben sich viele Gemeinsamkeiten gezeigt. Ein sicherer Arbeits­platz, eine Arbeit, die Spaß macht, wertvolle Arbeitsinhalte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für beide Generationen wichtig. Bei den Befragten beider Generationen wird als weniger wichtig der Bereich Karriere und Prestige sowie ein hohes Einkommen und die Aus­übung eines angesehenen Berufes beurteilt. Und an diesen Punkten sollte das BGF ansetzen, da hier bei diesen Schnittmengen die meisten generationsübergreifenden Erfolge verbucht werden könnten.

In einer aktuellen IGA-Umfrage wird deutlich, dass die meisten Erwerbstätigen mit ihrer Situation zufrieden sind. 86 % erleben ihre Arbeit als vielseitig und abwechslungsreich, ebenso viele schätzen sie als sicher ein. Aber nur 49 % können sich vorstellen, ihre derzei­tige Tätigkeit bis zum Rentenalter uneingeschränkt fortzusetzen und 45 % schätzen das Verhältnis zwischen den Lebensbereichen Arbeit, Familie, Partnerschaft, Sport und Freizeit als nicht zufriedenstellend ein. Diese Einschätzungen sind ein Warnsignal für ein hohes Belastungsniveau, dem ein Teil der Beschäftigten auf Dauer nicht gewachsen sein wird. In der BGF gibt es eine große Palette von Aktivitäten zur Verbesserung der Zusammenarbeit, der Arbeitsabläufe oder auch des eigenen Arbeitsplatzes bis zur Teilnahme an Mitarbeiterbefragungen in Gesundheitszirkeln. Die Beschäftigten selbst nutzen Schulungen zu Stressbewältigungen, Bewegung oder Ernährung. Auch Betriebssport wird von vielen Befragten in Anspruch genommen.

Trotz aller Gemeinsamkeiten der Generationen wird es für die Führungskräfte wichtig sein, gesundheits- und generationengerechtes Führen zu erlernen, um ggf. Vorurteile abzubauen und den dringend nötigen Wissenstransfer der Berufserfahrenen zu der nachrückenden Generation zu erhöhen.

Unser Anforderungsprofil als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger ändert sich ständig. Für die erfolgreiche Verwirklichung, für den wirtschaftlichen Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit sind Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten, ein angenehmes Betriebsklima und Qualifikation eine unabdingbare Voraussetzung. Die Förderung der Gesundheit hat deshalb einen hohen Stellenwert für die gesamte öffentliche Verwaltung als Ganzes. Deshalb denke ich, betriebliche, generationengerechte Gesundheitsförderung sollte zentrale Aufgabe der Gewerkschaften und Thema in kommenden Tarifverträgen werden, denn nur so werden wir unseren Öffentl. Dienst für die Zukunft und unsere Mitglieder sichern können.

Josef Nikl

Fachverband Gesundheit

Landesvorsitzender GÖD Bayern, CGB Bayern

 

Fachverbände / Fachbereiche

Gesundheitswesen und Soziales

Wach- und Sicherheitsgewerbe


Schlagzeilen

BAG ermöglicht sachgrundlose Befristung bei mehr als drei Jahren zurückliegender Zuvor-Beschäftigung!

Mit seiner Entscheidung vom 4. April hat das Bundesarbeitsgericht eine gravierende Änderung für befristete Arbeitsverträge herbeigeführt.

Gem. § 14 Abs. 2 TzBfG ist eine kalendermäßigen Befristung ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber zuvor kein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat.

Dies wurde bisher so ausgelegt, dass bei einer - auch über viele Jahre zurückliegenden - früheren Beschäftigung beim selben Arbeitgeber eine wirksame sachgrundlose kalendermäßige Befristung nicht mehr möglich ist.

Entsprechende befristete Arbeitsverträge wurden damit als unbefristet bewertet.

Nach der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom 4. April 2011 ( Az: 7 AZR 716/09) ist nun auch eine sachgrundlose Befristung bis zu zwei Jahren möglich, wenn eine frühere Beschäftigung des Arbeitnehmers beim selben Arbeitgeber mehr als drei Jahre zurückliegt.

Dadurch soll nach Ansicht des 7. Senats verhindert werden, dass das dauerhafte Beschäftigungsverbot ein Einstellungshindernis darstellt.

Die Regelung des § 14 Abs. 2 Satz 2 TzBfG soll den Arbeitgebern ermöglichen, auf schwankende Auftragslagen und wechselnde Marktbedingungen flexibel zu reagieren. Daneben soll für Arbeitnehmer die Möglichkeit der Dauerbeschäftigung geschaffen werden.

Raymund Kandler