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Interview  von "Medien der Bundeswehr" im Vorfeld der der anstehenden Personalratswahlen im Bundesverteidigungsministerium:

Die GÖD ist DIE Gewerkschaft für alle Bereiche des klassischen öffentlichen Dienstes bei Bund, Ländern, Gemeinden, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts. Wir vertreten die Interessen unserer Mitglieder gegenüber Dienstgebern, Sozialversicherungen, Arbeitgebern und der Politik. Allein in der Bundeswehr betreuen wir ca. 10.000 Mitglieder aus allen Statusgruppen.

HptFw Philipp Hoffmann:  um 1. Januar wurde die Soldatenarbeitszeitverordnung (SAZV) durch die Verteidigungsministerin in Kraft gesetzt. Chance oder Untergang der Einsatzbereitschaft der Bundeswehr?

Frank Sowinski: Ich denke hier hat sich eine große Chance ergeben. Wie sie wissen dient die SAZV dem Gesundheitsschutz und damit unweigerlich auch der langfristigen Durchhaltefähigkeit und Einsatzbereitschaft der Truppe. Denn nur wer langfristig gesund ist kann der Bundeswehr mit seiner ganzen körperlichen und geistigen Kraft zur Verfügung stehen. Dieses soll und muss das vorrangige Ziel eines jeden Vorgesetzten im Rahmen seiner Auftragserfüllung sein. Zugegeben die negativen Empfindungen in der Truppe überwiegen derzeit, was nach meiner Ansicht dem Umstand der lange fehlenden Ausführungsbestimmungen als auch fehlende Schulung von Vorgesetzten geschuldet ist. Und auch nicht für jeden ist es objektiv eine Verbesserung. Hier und da müssen wir noch nachbessern aber nichts desto trotz bin ich der festen Überzeugung das, wenn die Anlaufschwierigkeiten überwunden und erstmal Handlungssicherheit hergestellt ist, die überwiegende Mehrheit am ende des Tages sagen wird: „Das war und ist eine gute Sache!".

HptFw Philipp Hoffmann:  Der Verteidigungshaushalt ist um eine Milliarde Euro erhöht worden. Die Ministerin setzt sich für erhebliche Investitionen in die Ausrüstung der Bundeswehr ein. Kann man von einer Trendwende sprechen?

Frank Sowinski: Ich glaube nicht dass hier von einer Trendwende gesprochen werden kann. Es ist ein Anfang der Hoffnung macht. Aber diese Hoffnung ist eine zarte Pflanze, die sehr schnell wieder verwelkt wenn die finanzielle Haushaltslage zu kippen droht. Nichts desto trotz, wird hier eine Möglichkeit geboten, die sich vor ein paar Jahren so nicht abzeichnete und eine Chance ist diverse, dringend benötigte Ausrüstungen zu beschaffen. Allerdings sind die finanziellen Mittel nur die eine Seite der Medaille, die andere ist die Wirtschaft die dann auch in der Lage sein muss die von der Bundeswehr geforderten Ausrüstungsteile in Qualität und Qualität auch umgehend liefern zu können.

HptFw Philipp Hoffmann:  Wo sehen sie den größten Modernisierungsbedarf in der Truppe?

Frank Sowinski: Wenn ich den Begriff Modernisierung nicht nur auf neue Waffensysteme, Ausrüstungsteile oder Unterkünfte anwende, sondern auch auf den Bereich der Beschaffung als gesamtes, dann sehe ich den größten Modernisierungsbedarf auf der viel zu langen Zeitachse vom Erkennen eines Bedarfs bis zur Einführung des Gerätes. Ausnahme ist hier der sogenannte Einsatzsofortbedarf, der unbestritten schon sehr schnell funktioniert. Die Forderung aus der Truppe nach vollständiger Ausstattung mit Material ist berechtigt und notwendig. Dann darf es allerdings nicht sein, dass ein Zeitraum von mehr als zehn oder mehr Jahren vergeht von der Planung über die Ersteinführung bis hin zum letzten Gerät. Ansonsten wird jeder Organisationsbereich, jede Truppen- bzw. Waffengattung seine eigene Priorisierung haben, die zweifelsohne in dem jeweiligen Bereich berechtigt ist. Es bestehen also viele Handlungsfelder die es gilt alle zu bedienen, so dass jeder Angehörige der Bundeswehr sich mitgenommen fühlt dadurch auch motiviert ist und den Arbeitgeber Bundeswehr nach Außen überzeugend darstellt.

HptFw Philipp Hoffmann:  Die Bundeswehr beteiligt sich aktuell an 16 Auslandseinsätzen. Hinzukommen einsatzgleiche Verwendungen und Übungen. Kann die Truppe das, angesichts des Modernisierungsbedarfs, leisten?

Frank Sowinski: Ich glaube es ist zu kurz gedacht die Durchhaltefähigkeit nur unter dem Aspekt der teilweise sehr alten und in Teilen viel zu wenigen Geräte und Ausrüstungsteile zu betrachten. Es ist unumgänglich modernes, funktionierendes und ausreichendes Material zur Verfügung zu haben, welches Weltweit einsetzbar ist. Aber der wesentliche Faktor ist doch der Mensch der dieses Material bedienen soll. Und hier sehe ich das eigentliche Hindernis. Wir haben Quantitativ sicherlich ausreichend Soldaten und zivile Mitarbeiter, die es der Bundeswehr ermöglichen alle die an sie gestellten Verpflichtungen nachzukommen. Qualitativ jedoch sieht das ganz anders aus. Im Bereich IT z.B. haben wir ca 15% der zu besetzenden Dienstposten nicht besetzt (Querschnittlich betrachtet). Und der Bereich IT ist in fast jedem Szenar mit dabei. Wenn ich es als Bundeswehr nun nicht schaffe genügend qualitatives Personal zu generieren nützt mir auch die beste Ausrüstung der Welt nichts. Das eine bedingt das andere. Daher, modernisieren der Ausrüstung auf jeden Fall aber auch das entsprechende Personal in ausreichendem Maße generieren. Dann klappt es auch mit den Einsätzen.

HptFw Philipp Hoffmann:  Die politischen Parteien diskutieren aktuell darüber, den Einsatz der Bundeswehr im Innern auszuweiten. Wie steht die GÖD dazu?

Frank Sowinski: Jedes einzelne Mitglied der GÖD befasst sich mehr oder weniger intensiv mit diesem Thema und es wird auch ausgiebig auf Tagungen, Zusammenkünften oder dergleichen darüber diskutiert. Die Meinungen gehen hier, wie auch in der Politik, auseinander. Das Spektrum reicht von „Schuster bleib bei deinen Leisten!" bis hin zu „Das wäre gut so!". Eine offizielle durch die Mitglieder der GÖD getragene Meinung gibt es derzeit nicht. In Anbetracht der Brisanz des Themas scheint es aber angebracht hier zeitnah eine Befragung an die Mitglieder der GÖD durchzuführen. Diese Befragung sollte nach meinem dafürhalten einmal an alle Mitglieder gestellt werden und dann noch separat nur an die Bundeswehrangehörigen.

HptFw Philipp Hoffmann:   Im Sommer dieses Jahres soll die Amtshilfe der Bundeswehr bei der Flüchtlingshilfe weitgehend beendet werden. Lässt sich ein vorläufiges Fazit ziehen?

Frank Sowinski: Die Angehörigen der Bundeswehr haben seit letztem Jahr enormes geleistet. Die zusätzliche Belastung wurde sozusagen nebenbei erledigt, ohne den eigentlichen Auftrag der Bundeswehr zu vernachlässigen. Diese Leistung konnte nur erbracht werden indem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Beamtinnen und Beamte, Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr nicht unerhebliche Einschränkungen im privaten Bereich hinnahmen und sich im Namen der Sache engagiert haben. Nicht zu vergessen ist hier auch das private Umfeld das die Zeit der Entbehrungen mit getragen und unterstützt hat. Wir ziehen unseren Hut vor der geleisteten Arbeit, hoffen aber auch dass zukünftig der zivile Sektor dieses alleine stemmt. Wir glauben dass es kein zweites mal gelingen wird, ohne Einbußen im originären Aufgabenbereich, Hilfe in diesem Umfang zu leisten.

HptFw Philipp Hoffmann:  Im Mai finden im Geschäftsbereich des BMVg Personalratswahlen statt. Warum sollten die Bundeswehrangehörigen ihre Stimme den Kandidaten der GÖD geben?

Frank Sowinski: Die GÖD ist eine Gewerkschaft der leisen Töne und bekannt dafür konstruktiv, sachorientiert und ergebnisoffen zu diskutieren und der Sache dienlich zu sein. Wir wollen, wo immer möglich, Ergebnisse erzielen welche alle Parteien akzeptieren und sich auch damit identifizieren können.

Unseren Kandidaten setzen sich für alle ein, egal ob Gefreiter, Stabsfeldwebel oder Oberstleutnant, ob Arbeiter in der Entgeltgruppe E3 oder in der Entgeltgruppe E9, ob Beamte des einfachen, gehobenen oder höheren Dienstes. Fachliche Eignung und ehrenamtliches Engagement qualifizieren Sie für diese Mandate in den entsprechenden Personalratsgremien. Sie kandidieren mit dem festen Willen sich für alle einzusetzen um etwas zu bewegen und durch Argumente zu überzeugen. Sie sind bereit auch schwierige Themen aufzugreifen und an den Lösungen mitzuarbeiten.

 

Frank Sowinski,
Stv. Vorsitzender im GÖD - Bundesfachverband Bundeswehr
Sprecher der Soldaten 

 

 

Schlagzeilen

Erweiterung der Liste der Berufskrankheiten

Das Bundeskabinett hat am 5. November 2014 eine Verordnung zur Erweiterung der anerkannten  Berufskrankheiten um vier  vier neue Krankheiten als Berufskrankheiten beschlossen.

Hieraus erfolgen für Betroffene Ansprüche auf Heilbehandlung aus der gesetzlichen Unfallversicherung und ggf. Geldleistungen bei Arbeitsunfähigkeit oder dauerhafter erwerbsminderung.

  • Bestimmte Formen des so genannten „weißen Hautkrebses“ (Plattenepithelkarzinome) oder dessen Vorstufen (multiple aktinische Keratosen) durch langjährige Sonneneinstrahlung
  • Carpaltunnel-Syndrom (Druckschädigung eines in einem knöchernen Tunnel im Unterarm verlaufenden Nervs) durch bestimmte manuelle Tätigkeiten
  • Hypothenar-Hammer-Syndrorm und Thenar-Hammer-Syndrom (Gefäßschädigung der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung)
  • Kehlkopfkrebs durch Schwefelsäuredämpfe

Diese Verordnung bedarf noch der Zustimmung der Länder.  Betroffene können sich aber bereits vorab bei ihren Unfallversicherungen melden.

Link zur Verordnung auf der Homepage des BMAS